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Armer Schlucker

In Alland ist der „Schlucker“ gegenwärtig, nicht der Arme Schlucker, sondern der Waldamts Baumeister Philipp Schlucker (1748-1820). Dieser zeichnet sich verantwortlich für den Bau der eindrucksvollen etwa 22 km langen Mauer um den Lainzer Tiergarten, einem ehemaligen kaiserlichen Jagdrevier. Nach Vollendung des Baues wurde Schlucker die Stelle eines „Waldamtsbaumeisters“ verliehen und Josef II schenkte ihm den Grundbesitz, der zum seinerzeitigen „Bergwirtshaus in Alland“ gehörte. Letzters besteht noch und wird privat bewohnt.



Geschichte

Die Redewendung Armer Schlucker geht möglicherweise auf die Bedeutung von Schlucker im 15./16. Jahrhundert im Sinne vom Schlemmer zurück: Wenn er nichts mehr zu schlemmen hat, ist er arm dran. Die Redewendung gab es etwa schon bei Hans Sachs (geb. 5. November 1494 in Nürnberg; gestorben 19. Januar 1576):

Ich lauff da her üeber das felt,
den winter kalt ich hab kain gelt,
wo solt ich armer schluecker naus
den after winter halten haus.

Dieses Wortspiel wird aber auch auf den Allander Waldamts Baumeister Philipp Schlucker (1748-1820) zurückgeführt. Dieser baute – nach einer öffentlichen Ausschreibung – in der Regierungszeit von Kaiser Joseph II. von 1782 bis 1787 die etwa 22 Kilometer lange Mauer um den Lainzer Tiergarten zu einem Sechstel des Preises der Konkurrenz aus der Stadt Wien. Die Wiener Bevölkerung, beeinflusst durch die unterlegene Konkurrenz, befürchtete aufgrund dieses angeblichen Dumpingpreises, dass er bankrott gehen würde. Man sprach daher vom Armen Schlucker. Er stellte aber die Mauer nach fünf Jahren Bauzeit ordnungsgemäß fertig.

Das Kaiserhaus soll so zufrieden gewesen sein, dass man ihm den Titel „Waldamts Baumeister“ verlieh. Nach Vollendung des Baues wurde Schlucker die Stelle eines „Waldamtsbaumeisters“ verliehen und Josef II schenkte ihm den Grundbesitz, der zum seinerzeitigen „Bergwirtshaus in Alland“ gehörte. Eine andere Sage erzählt weiter, dass der Baumeister Schlucker vielleicht auch aus Sparsamkeit einige Eingänge in den Tiergarten zu bauen vergaß. Dies führte zu einer hohen Strafe seitens des Bauherrn (Kaisers), welche dazu führte, dass Schlucker die Eingänge nachfertigen lassen musste und dadurch in den Ruin getrieben wurde.

Um 1800 wurde von Philip Schlucker der Allander Kirchturm, der sich geneigt hatte, neu errichtet und 1802 in Hafnerberg die heute noch benutzte Straße ins Triestingtal in den Berg gebaut, die – wie das dortige Gasthaus – wegen ihrer Serpentinen der Kleine Semmering genannt wird. Im 13. Wiener Gemeindebezirk ist eine Gasse nach ihm benannt. Über Auftrag des Kaisers wurden von ihm und seiner Gattin Ölgemälde angefertigt, die sich im Besitz der Forstverwaltung befinden.